Die Entstehungsgeschichte

Im August 1972 zogen die Eheleute Renate und Helmut Borgwardt mit ihrem 1jährigen Sohn in das Neubaugebiet des Stadtteils Wilhelmshaven-Coldewei. Renate Borgwardt wollte ihren Beruf als Kinderpflegerin weiterhin ausüben, gleichzeitig aber auch selber ihren Sohn versorgen. Da dies in einem abhängigen Arbeitsverhältnis nicht möglich war, wurde sie Tagesmutter. Eine dieser Mütter regte dann an, einen Kindergarten zu gründen. Das habe den Vorteil, dass mehrere Kinder und auch deren Eltern gerade in einem Neubaugebiet schnell Kontakte finden, und außerdem sei es für die einzelnen Eltern preiswerter als die Betreuung durch eine Tagesmutter. Für den Stadtteil Himmelreich-Coldewei war zwar eine Fläche zum Bau eines Kindergartens vorgesehen, ob und wann dieser jedoch gebaut werden würde, war noch nicht abzusehen.

Mit der Genehmigung durch das Landesjugendamt in Oldenburg wurde dann von der Familie Borgwardt die Kindertagesstätte Coldewei gegründet und mit dem 15. Juni 1973 zunächst als Spielkreis eröffnet. Bereits kurze Zeit später erfolgte nach Genehmigung durch das Landesjugendamt die Umbenennung zum Kindergarten Coldewei. Träger des Kindergartens ist der Verein Kindergarten Coldewei. Der Kindergarten Coldewei ist eine Halbtagseinrichtung und von Montag bis Freitag vormittags geöffnet.

Der Kindergarten Coldewei war eine der ersten "freien Einrichtungen" in Wilhelmshaven. Die Finanzierung bestand aus Elternbeitrag, Zuschuss durch die Stadt Wilhelmshaven und Bereitschaft der Betreuerinnen, für wenig Entgelt (1974 z. B. ca. 400 DM/Monat - brutto - bei 25 Std./Woche) zu arbeiten. Die Löhne richteten sich nicht nach Tarifverträgen, sondern danach, was nach Abzug der festen Kosten übrig blieb. Inzwischen hat sich die finanzielle Lage erheblich verbessert, jedoch lag der Lohn auch 1990 noch unter Tarif. Inzwischen wird entsprechen dem BAT gezahlt.

Die Einrichtung des Kindergartens im Einfamilienhaus der Familie Borgwardt brachte viele Veränderungen mit sich. So war die Größe des Kindergartens durch das Landesjugendamt bei dem Raumangebot von 2 Zimmern (vorher Kinder- bzw. Schlafzimmer) auf 14 Kinder begrenzt. WC und eine Garderobe mussten kindgerecht hergestellt werden. Ein Zugang in den Garten war durch eine Terrassentür vorhanden. Im Garten entstand eine große Sandspielfläche neben einer Rasenfläche. Schaukel, Rutsche und Kletterhaus wurden errichtet. Um den Sandspielplatz herum wuchs eine dichte Tannenhecke, die Schutz gegen den Wind bot und eine heimelige Atmosphäre schuf. Diese wohnliche und fast familiäre Atmosphäre, die den Kindern den Übergang aus der Geborgenheit des Elternhauses in den Schulalltag erleichtern soll, ist eine Besonderheit des Kindergartens Coldewei.

Zweck des Trägervereins und damit pädagogischer Auftrag für die Kindergartenarbeit ist es, Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schulanfang in einer altersgemischten Gruppe in spielerischer Weise auf den Schulbesuch vorzubereiten. Da 2 Räume von jeweils rd. 14 m² Fläche zur Verfügung standen, bot sich für die Organisation und das pädagogische Konzept das "Raumteilverfahren" nach der pädagogischen Zielsetzung von Martha Schörl an. In einem Raum wurden ein Maltisch, ein Spieletisch, ein Bilderbuchtisch und ein Steck- und Puzzleregal eingerichtet. In dem anderen Raum entstand eine Bauecke, eine Puppenecke, eine mobile Ecke und ein Constri- und Legotisch. Diese Spielführung, die die Kinder während des Spielens in sich spontan bildenden Gruppen zusammen bringt, fördert aus dem kindlichen Bedürfnis nach geselligem Spielen heraus - für die Kinder spontan und unbewusst - die Übung von sozialem Verhalten wie Rücksichtnahme, Hilfestellung und Selbständigkeit.

Der bisherige Erfolg und die große Nachfrage haben die Notwendigkeit des Kindergartens und die Richtigkeit des pädagogischen Konzepts bestätigt.